2.3 Wann sind Asylsuchende nicht mehr verpflichtet,
in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu wohnen?

Familien mit minderjährigen Kindern sind maximal sechs Monate lang verpflichtet, in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu leben. Das gilt auch bei Personen aus den sog. sicheren Herkunftsstaaten (Westbalkanstaaten, Ghana und Senegal).

Für Personen ohne minderjährige Kinder besteht  grundsätzlich eine maximale Aufenthaltsdauer von 18 Monaten. Eine längere Wohnpflicht ist nur bei Verstößen gegen bestimmte Mitwirkungspflichten möglich, etwa wenn erkennungsdienstliche Maßnahmen nicht geduldet werden.

Die Bundesländer können allerdings unter bestimmten Voraussetzungen einen längeren Verbleib als sechs bzw. 18 Monate vorsehen; in Niedersachsen gibt es aber keine derartige Regelung.

Die Erstaufnahmeeinrichtung  kann aber schon vorher verlassen werden, wenn insbesondere die folgenden Umstände vorliegen:

Die Wohnpflicht kann beendet werden 

  • aus Gründen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge oder
  • aus sonstigen Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, insbesondere zur Gewährleistungen der Unterbringung oder Verteilung oder
  • aus anderen zwingenden Gründen:
    z.B. bei Personen, die in der Erstaufnahmeeinrichtung Opfer sexueller Gewalt oder Belästigung wurden (vgl. Art. 18 Abs. 4 EU-Aufnahmerichtlinie, wonach die Mitgliedstaaten zur Verhinderung geeignete Maßnahmen treffen)

Die Wohnpflicht endet außerdem, wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) der zuständigen Landesbehörde mitteilt, dass

  • internationaler oder anderweitiger Schutz zuerkannt wurde oder
  • das Verwaltungsgericht die aufschiebende Wirkung der Klage gegen die Entscheidung des BAMFs angeordnet hat, wenn der Asylantrag nicht als unzulässig nach § 29 Abs. 1 und 2 AsylG abgelehnt wurde.

Rechtsgrundlagen: §§ 47; 15 Abs. 2 Nr. 1 und 3 sowie 4 bis 7; 49 Abs. 2; 50 Abs. 1 S. 1 Asylgesetz 



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